Weiterbildungsreihe ACTAL: Modul 1 – Inklusive Politik

Weiterbildungsreihe in vier Modulen von März bis Juni 2020

Modul 1: Inklusion und Exklusion in der Politik

Freitag, 20.03. – Samstag 21.03.2020

Graffiti Kolumbien

Die aktuelle Politik in Lateinamerika ist Ausdruck unterschiedlicher Interessen und Bedürfnisse und verweist auf die Vielfältigkeit des politischen Spektrums. Politik wird sowohl in öffentlichen wie auch in privaten Räumen gemacht, von Gruppierungen, Parteien, Marginalisierten und Bürger_innen, die sowohl Veränderungsprozesse wie auch den Schutz des Status Quo fördern wollen.

Inhalte und Methodik
Durch Vortragseinheiten und Diskussionen mit Expert_innen aus Lateinamerika, widmen wir uns unter anderem folgenden politischen Schlüsselfragen:

  • Welche politischen Charakteristika lassen sich in Lateinamerika identifizieren?
  • Welche Diskurse prägen die formellen politischen Konstellationen in Wahlen heutzutage und welche Verbindungen können zu transnationalen und globalen Tendenzen sowie Bewegungen hergestellt werden?
  • Wie lässt sich die Politik in Lateinamerika jenseits des Mainstreams und der offiziellen Strukturen erleben?

Lernziele

  • Kennenlernen aktueller politischer Landschaften in Lateinamerika
  • Identifizierung von politischen Maßnahmen, welche die Vielfalt aber auch Homogenisierung der Gesellschaft fördern
  • Verstehen der Verbindungen zwischen unterschiedlichen formellen und informellen politischen Bewegungen innerhalb Lateinamerikas und ihre transnationalen Zusammenhänge
  • Reflexion der eigenen politischen Anschauung, Erkennen der transnationalen Beziehungen und darüber Dialoge eröffnen können

Gast am Kamin / Stadtführung / Exkursion
Video-Konferenz mit Vera Grabe aus Kolumbien (ehemalige Guerrilla-Kämpferin, Kongressabgeordnete und aktuelle NGO-Leiterin)
Diskussionen mit politischen Aktivist_innen Lateinamerikas in Wien
Gast am Kamin: Ulrich Brand „Imperiale Lebensweisen“

Koordinatorin:
Dr.in Josefina Echavarría ist wissenschaftliche Mitarbeiterin für Friedens- und Konfliktstudien und Ko-Leiterin des Forschungszentrums für Frieden und Konflikt - InnPeace - an der Universität Innsbruck. Sie ist Expertin für Friedenserziehung, Citizenship und Versöhnung sowie Gastlehrende an der Universität Jena und Visiting Professor am Trinity College Dublin. Darüber hinaus ist sie in zahlreichen internationalen Forschungsprojekten tätig. Seit Oktober 2017 ist sie Vorstandsmitglied des LAI.

facebook-Veranstaltung: https://www.facebook.com/events/2067141816741565/

ACTAL - Lateinamerika Actual

Lateinamerika ist eine lebendige Region in ständigem Wandel, deren Vielfalt sich durch alle Lebensbereiche zieht. Starke Gegensätze wie Zerstörung und Nachhaltigkeit, Frieden und Gewalt sowie Überfluss und Mangel kennzeichnen sie. Während viele Bewegungen darauf abzielen, diese Lücken zu schließen, verstärken andere die Tendenzen in Richtung weiterer Fragmentierung. In einer globalisierten Welt lassen sich die Zusammenhänge dieser aktuellen Dynamiken auch in lokalen Transformationsprozessen im alltäglichen Leben finden.

Die Weiterbildungsreihe „Lateinamerika Actual – kurz ACTAL“, setzt sich zum Ziel, das Verständnis und das Engagement für alternative Lebensformen und Lebenswelten zu fördern. Tiefgehende Analysen und partizipative Methoden sollen jene Facetten widerspiegeln, welche die Faszination für diese Region ausmachen. Wichtige Daten und Fakten sowie aktuelle Themen werden aus einer Perspektive von Inklusion und Diversität erforscht und diskutiert. Basierend auf einer Ethik des interkulturellen Respektes, schafft die Weiterbildungsreihe Bewusstsein über das unglaubliche Potenzial Lateinamerikas.

ACTAL richtet sich an Studierende, Berufstätige und an Lateinamerika interessierte Menschen, die den Blick auf Lateinamerika schärfen wollen – sei es im Zuge von Projekten und Initiativen im Bereich der internationalen Zusammenarbeit oder einfach aus Wissenslust. Die Weiterbildungsreihe richtet sich ebenso an Menschen, die in ihrem beruflichen und persönlichen Leben mit Lateinamerikaner_innen zu tun haben und deren vielfältigen Hintergrund kennenlernen möchten. ACTAL heißt alle Personen willkommen, die ihren Horizont für diesen faszinierenden Lebensraum erweitern und ihr Wissen vertiefen möchten.

In Form von Wochenendmodulen bietet die Weiterbildungsreihe eine multidisziplinäre und umfassende Sicht auf aktuelle Kernthemen und lädt alle Lernenden zu einer kritischen, empathischen und engagierten Teilnahme ein.

Termine

Sechs Module, jeweils am Freitag von 14:00 bis 18:00 Uhr mit einer Abendeinheit (19:00 bis 21:00 Uhr) und Samstag 9:00 bis 17:00 Uhr:

Veranstaltungsort:

ÖFSE - Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung
Sensengasse 3
1090 Wien

Modul 2: Solidarisches Wirtschaften Einblicke und Diskussionen über alternative Wirtschaftsformen

Freitag, 24.04. – Samstag 25.04.2020

Finanz- und Währungskrisen, Arbeitslosigkeit, Armut, Ungleichheit, Umweltzerstörung und Klimawandel sind die allgegenwärtigen Herausforderungen, die Lateinamerika zu bewältigen hat. Viele Regierungen und Fachleute kennen vor allem nur eine Form des Wirtschaftens: (neoliberale) marktwirtschaftliche Konzepte, die allen anderen Wirtschaftsformen als überlegen angesehen werden. Die Praxis, aber auch die Wissenschaft sind reich an verschiedensten alternativen Ansätzen. Das Modul „Solidarisches Wirtschaften“ gibt beispielhaft Einblicke in das breite Spektrum an alternativen Wirtschaftsformen in Lateinamerika, die menschliche Bedürfnisse ins Zentrum stellen – von selbstverwalteten Betrieben, Genossenschaften, fairem Handel bis zu Alternativen in der Wirtschafts- und Handelspolitik.

Inhalte und Methodik
In kritischen Dialogen und in Kleingruppen sollen die verschiedensten Beispiele für lokale und regionale Vernetzungen in Lateinamerika aber auch für internationale Vernetzungen diskutiert werden. Dabei setzen sich die Teilnehmer_innen insbesondere mit folgenden Fragen auseinander:

  • Welches Potenzial haben alternative Wirtschaftsformen?
  • Sind diese Ansätze eine Lösung anstehender sozialer und ökologischer Probleme, die aus dem vorherrschenden Wirtschaftssystem entstehen? Welche Hürden, Probleme, Konflikte und Grenzen gibt es?
  • Welchen Beitrag müssten die verschiedensten Akteur_innen auf lokaler und regionaler Ebene leisten, um alternative Initiativen und Bewegungen zu stärken.
  • Was müssten die verschiedensten Akteur_innen national und international (Regierungen sowie internationale Institutionen) tun, um eine nachhaltige Gesellschaft und ein nachhaltiges Wirtschaften zu ermöglichen?

Lernziele

  • Kennenlernen von Experimenten und neuen Formen der ökonomischen Zusammenarbeit
  • Auseinandersetzung mit der Geschichte und Dynamik von Kooperativen
  • Lernen wie lateinamerikanische Organisationen, Bäuer_innen und Händler_innen mit Marktökonomien in alternativer Weise umgehen
  • Kennenlernen länderübergreifender Projekte und Initiativen mit Bezug zu Österreich
  • Auseinandersetzung mit alternativen Ansätzen in der Wirtschafts- und Handelspolitik als Basis für ein „soziales Wirtschaften“

Gast am Kamin / Stadtführung / Exkursion
Kamingespräch zu Projekten und Initiativen in Lateinamerika sowie zur internationalen Zusammenarbeit mit Gehard Riess von der Gewerkschaft PRO-GE.

Koordinatorin
Mag.a Angela Pfister ist Mitarbeiterin im volkswirtschaftlichen Referat im Österreichischen Gewerkschaftsbund. Ihre Schwerpunkte sind Globalisierungsfragen, internationale Handelspolitik sowie europäische und internationale Wirtschaftspolitik. Darüber hinaus wirkt sie gegenwärtig unterstützend bei der Plattform „Anders Handeln“ mit.

Modul 3: Natur und Lebensräume in Lateinamerika

Freitag, 15.05. – Samstag 16.05.2020

Die Natur in Lateinamerika ist gekennzeichnet durch eine große Vielfalt und außerordentliche Schönheit. Allerdings kann die Natur nicht getrennt von der Gesellschaft betrachtet werden. Die Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Dabei spielen soziale, wirtschaftliche und politische Aspekte (wie Globalisierung, Neo-Extraktivismus, Neoliberalismus oder Populismus) eine wichtige Rolle. In diesem Modul werden die sich verändernden gesellschaftlichen Naturverhältnisse auf drei Ebenen (je nach Grad der „Veränderung“ der Natur) betrachtet: von der unberührten Natur und dem Naturschutz, über die wirtschaftliche Ausbeutung der Natur bis hin zu den städtischen „naturlosen“ Räumen.

Inhalte und Methodik
Durch die Kombination von Vortragseinheiten und Kleingruppendiskussionen wird eine Vielfalt von Fällen analysiert und diskutiert. Kurze Texte und Videobeiträge dienen als Grundlage für die Diskussion und den Austausch.
Das Modul ist in drei Themenblöcke gegliedert:

  • Die „geschützte Natur“: in Lateinamerika gibt es zahlreiche Typen von Naturschutzgebieten. In diesem Themenblock werden einige Beispiele mit ihren Zielen aber auch kritischen Aspekten dargestellt.
  • Die „ausgebeutete Natur“: seit der Jahrtausendwende haben die Nutzung von Naturressourcen und die Agrarproduktion stark zugenommen. Anhand prägnanter Beispiele (vor allem aus dem Bergbau) werden die wichtigsten Merkmale der extraktiven Wirtschaft und die oft aus ihr resultierenden sozial-ökologischen Konflikte diskutiert.
  • Die „konstruierte Natur“: die Lebensräume von über 80 % der Bevölkerung in Lateinamerika sind urban geprägt. In diesem Themenblock werden klassische Umweltprobleme in den großen Städten sowie die sich aktuell verändernden Land-Stadt-Beziehungen untersucht.

Lernziele

  • Überblick über die wichtigsten Aspekte der Mensch-Umwelt-Beziehungen in Lateinamerika
  • Erkennen aktueller sozial-ökologischer Dynamiken in Lateinamerika und Einordnung dieser in einen globalen Rahmen
  • Erkennen, dass über die Analyse gesellschaftlicher Naturverhältnisse wichtige Einblicke in soziale, ökonomische und politische Prozesse gewonnen werden können

Gast am Kamin / Stadtführung / Exkursion
Exkursion in einen Gemeinschaftsgarten in Wien, wo ein Gespräch mit Dr. Severin Halder, Experte für städtische Landwirtschaft in Lateinamerika stattfindet.
Kamingespräch mit Dr. Robert Hafner. Geograph, Experte für Mensch-Umwelt-Beziehungen und Umweltgerechtigkeit in Südamerika.

Koordinator:
Dr. Fernando Ruiz Peyré. Studium der Geographie in Mendoza (Argentinien) und Tübingen (Deutschland), Promotion in Geographie in Innsbruck (2014). Seit 2011 ist er Universitätsassistent am Institut für Geographie der Universität Innsbruck. Forschungsgebiete: Ländlicher Raum, Ressourcen (Bergbau), Mensch-Umwelt-Beziehungen, Politische Ökologie, Nord-Süd-Beziehungen und Lateinamerikaforschung.

Modul 4: Es reicht! – ¡Basta ya! Widerstandsbewegungen aus Lateinamerika und ihre Vorbildrolle für Europa

Freitag, 26.06. – Samstag 27.06.2020

Seit Lateinamerika vor 500 Jahren unter europäische Herrschaft kam und damit in einen langen Globalisierungsprozess eintrat, haben sich dort besondere Verhältnisse zwischen Menschen, Staat und Wirtschaft entwickelt. Zusätzlich zu feudaler und kapitalistischer Ausbeutung wurden die lateinamerikanischen Gesellschaften durch Kolonialismus und Rassismus geprägt. Im Verlauf dieser Geschichte schufen Indigene, Bäuerinnen und Bauern und Arbeiter_innen verschiedene Formen des Widerstands gegenüber Ausbeutung und Elitenherrschaft. Manche davon – etwa die „Andere Welt“ von Porto Alegre oder die zapatistische Bewegung – haben auch in Europa Schule gemacht. Das Modul führt in die Geschichte von Protest-, Autonomie-, Aufstands-, Guerillabewegungen ein und zeigt ihre Bedeutung in der Gegenwart. Sein Schwerpunkt liegt auf Austausch- und Lernprozessen zwischen Lateinamerika und Europa.

Inhalte und Methodik
In einer Mischung aus Vortrag und Gruppenarbeit sowie anhand von verschiedenen Medien und Diskussionen mit Expert_innen und Aktivist_innen werden die Leitthemen anhand von Beispielen behandelt, z.B.:

  • Landarbeiter_innen-Organisationen und Landbesetzungen in Brasilien
  • Zapatistische Autonomie und indigener Widerstand in Mexiko
  • Systematische Opposition gegen die linke Regierung in Venezuela
  • Piqueter@s in Argentinien
  • Transnationaler Widerstand gegen die Freihandelsabkommen in Zentralamerika

Lernziele

  • Kennenlernen lateinamerikanischer Widerstandsbewegungen: Wogegen kämpfen sie und wie haben sie sich entwickelt?
  • Vergleiche mit – ähnlichen? – europäischen Prozessen
  • Analyse von Transfers politischer Praktiken zwischen Lateinamerika und Europa

Gast am Kamin / Stadtführung / Exkursion
Carlos Toledo / Eva Dertschei: Erarbeitung eines fiktiven Forderungskatalogs und Protest-Workshop

Koordinator:
Dr. Berthold Molden lehrt Globalgeschichte an der Universität Wien. Sein Forschungsschwerpunkt sind die Beziehungen zwischen Lateinamerika, den USA und Europa seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Molden hat u.a. an der Sorbonne, der University of Chicago und den Universitäten von Toulouse und New Orleans gelehrt. Seit Oktober 2017 ist er Vorstandsmitglied des LAI.

Rückschau

Samstag, 27.06.2020

In der Rückschau wird vermittelt, wie das gewonnene Wissen zu Lateinamerika auf individueller Ebene, in Gruppen, Organisationen oder Unternehmen verinnerlicht und transformiert werden soll. In einem musikalischen und kulinarischen Lateinamerika-Ambiente werden die Teilnehmenden verabschiedet.

Inhaltliche Leitung: Dr.in Josefina Echavarría Álvarez

Lehrgangskoordination: Ingrid Fankhauser, MA

Beitrag: € 1.050,- | ermäßigt* € 850,-
* Studierende bis zum vollendeten 26. Lebensjahr, Arbeitssuchende, Menschen mit Behinderung

Beratung und Anmeldung:
Österreichisches Lateinamerika-Institut
Schlickgasse 1, 1090 Wien
Tel. +43 1 310 74 65 -16
E-Mail: ingrid.fankhauser@lai.at

https://lai.at/bildung/weiterbildungsreihe-actal