Projeto Resgate „Barão do Rio Branco“
Das Projeto Resgate „Barão do Rio Branco“ ist ein Projekt des brasilianischen Kulturministeriums zur Sicherstellung (port. „Resgate“) und Digitalisierung historischer Quellen zur brasilianischen Geschichte in Europa. Das Ziel ist, in europäischen Institutionen, Archiven, Bibliotheken und Museen verstreute Texte, Graphiken, Karten und Objekte, die sich auf die Geschichte Brasiliens beziehen, zu sichten, zu dokumentieren, zu reproduzieren und zu digitalisieren. Das Projekt ist nach dem ehemaligen brasilianischen Außenminister José Maria da Silva Paranhos Júnior Barão do Rio Branco (1845 – 1912) benannt.
1838 wurde das Instituto Histórico e Geográfico Brasileiro (IHGB) gegründet, das es sich zum Ziel gemacht hatte, die für die Geschichte und Geographie Brasiliens relevanten Dokumente zu sammeln, strukturieren, publizieren und archivieren. Zu diesem Zweck reisten brasilianische Historiker nach Europa, um die dort lagernden Urkunden zur brasilianischen Geschichte nach 1500 aufzuspüren und Abschriften davon nach Brasilien zu schaffen. Die meisten dieser Dokumente stammen aus dem Arquivo Histórico Ultramarino in Lissabon. Ab den 1960er-Jahren wurden viele dieser in brasilianischen Archiven und Bibliotheken lagernden Kopien mikroverfilmt, und ab den 1980er-Jahren begann der brasilianische Staat erneut, systematisch Quellen zur Landesgeschichte in europäischen Ländern zu suchen, um sie als Mikroformen in Brasilien zugänglich zu machen.
Die ersten Ergebnisse des Projecto Resgate „Barão do Rio Branco“ waren Quellenverzeichnisse, die bis jetzt für die Niederlande, Spanien und Frankreich publiziert wurden:
- Guia de fontes para a história do Brasil Holandês (Brasilia; Recife 2001)
- Guía de fuentes manuscritas para la historia de Brasil conservadas en España (Madrid 2002)
- Guia de fontes para a história franco-brasilieira (Brasília 2002)
- Cartografía manuscrita de Brasil en la colecciones españolas (1500-1822) (Salamanca 2002)
Der Tagungsband des I Congresso Internacional Resgate in Brasilia wurde als Band 1 der Zeitschrift História Digital (Brasilia 2007) herausgegeben.
Nun liegt mit der CD-ROM-Edition des Projekts der erste Schritt in Richtung Digitalisierung der Volltexte vor. Auf den in zwei repräsentative Boxen verteilten 299 CD-ROMs befinden sich 99% der mikroverfilmten Handschriften des Arquivo Histórico Ultramarino im TIFF-Format. Zahlreiche ForscherInnen und Institutionen aus Brasilien und Portugal haben dafür in zehnjähriger Arbeit etwa drei Millionen handschriftlicher Seiten gelesen, entziffert und reproduziert. Primärquellen und dokumentarische Daten werden auf diese Weise öffentlich und kostenlos zugänglich gemacht.
Das Österreichische Lateinamerika-Institut in Wien hat als erste Institution im deutschen Sprachraum die Ehre, von der Projektkoordinatorin Esther Caldas Bertoletti am 27. März 2008 die vollständie CD-ROM-Sammlung überreicht bekommen zu haben. Die Datenträger stehen den LeserInnen in der Bibliothek kostenlos zur Verfüng. Da die Bilder lizenzfrei sind, ist es auch möglich, Kopien davon anzufertigen.