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Von Wäldern, Städten und Grenzen. Narration und kulturelle Identitätsbildungsprozesse in Lateinamerika
Enrique Rodrigues-Moura (Hg.) Unter Mitwirkung von Doris Pany
¡Atención! : Jahrbuch des Österreichischen Lateinamerika-Instituts, Band 8/9 (2004/05) Brandes & Apsel / Südwind ISBN 3-86099-807-2 30,80 EUR [A] |
Der nationale und kulturelle Identitätsbildungsprozess in Lateinamerika nahm seinen Ausgang von der abstrakten Demarkation, die Spanien und Portugal in der Neuen Welt vornahmen. Die später folgenden Städtegründungen und die Erschließung und gewaltsame Besetzung des Landesinneren – Wälder, Berge und Wüsten – ermöglichten geographisch begründete Grenzziehungen sowie die Entstehung von Dichotomien, Zivilisation und Barbarei im hispanoamerikanischen Raum und "litoral" und "sertão" in Brasilien. Nach der Erringung der Unabhängigkeit wurde in den neugegründeten Staaten eine Nationalkultur aufgebaut, die mit der Konsolidierung der geographischen Grenzen und der Eingemeindung von Bevölkerungsgruppen, die teilweise noch keinen staatsbürgerlichen Status genossen, einherging.
Der geographische Faktor spielt im kulturellen Panorama Lateinamerikas insofern eine wichtige Rolle, als er bis in jüngste Vergangenheit als einigendes Moment für eine große Anzahl heterogener Gruppierungen (Indigene, afrikanische Sklaven, Kreolen, europäische und asiatische Immigranten, Mestizen) fungierte.
Eine multidisziplinäre, internationale Gruppe von Forscherinnen und Forschern diskutiert essenzielle Aspekte der komplexen Relation zwischen Identität und Grenzen in Lateinamerika. Dabei werden sowohl die Verbindungen zwischen den einzelnen Staaten und dem kulturellen Ganzen als auch ihre jeweiligen Beziehungen zu den USA und Europa stets mitberücksichtigt.

Rezension (PDF) von Jens Kastner in: Lateinamerika Analysen, Hamburg, Institut für Iberoamerika-Kunde (Hg.), Heft 13, Februar 2006, S. 179-181.