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Naturraum Lateinamerika.
Geographische und biologische Grundlagen

Axel Borsdorf, Walter Hödl (Hg.)
¡Atención! Jahrbuch des Österreichischen Lateinamerika-Instituts, Band 10 (2006)
Wien: Lit Verlag - ISBN 3-8258-9369-3

quader_hellgrau Klappentextquadrat_transparentquader_hellgrau Inhaltsverzeichnisquadrat_transparentquader Abstractsquadrat_transparentquader_hellgrau Biographien

quader Axel Borsdorf
Die naturräumlichen Grundstrukturen Lateinamerikas
Für Lateinamerika ist die Dreiheit der Strukturen auf allen Maßstabsebenen kennzeichnend: Südamerika-Mittelamerika-Karibik; alte Schilde-junge Tiefländer-junge Gebirge, Orinoco-Amazonas-La Plata Tiefland; Nord-, Zentral- und Südanden: Die Folge von Dreigliederungen ließe sich beliebig erweitern. Im Beitrag werden die räumlichen Grundstrukturen des Kulturraumes unter naturräumlicher Perspektive so dargestellt, dass die Gliederungskriterien leicht verständlich und merkbar werden. In zweiter Hinsicht werden auch die Geofaktoren und ihre Formungskräfte behandelt. Insofern ist der Beitrag auch als Einführung zu den folgenden Detailbehandlungen einzelner Geofaktoren konzipiert.

quader Dietrich Herm 
Geologische Großstrukturen und Lagerstätten – ein Überblick
Südamerika ist – plattentektonisch gesehen – ein sehr selbstständiger Kontinent. Die breit entwickelten Grundgebirgsmassen auf der Ostseite haben sich vor ca. 140 Millionen Jahren von Afrika gelöst und sind westwärts gedriftet. Auf der Westseite dieser alten Kontinentalscholle bildete sich Gebirgszug der Anden, aus. Ein breiter Streifen von Senkungszonen zieht ostwärts entlang der Anden von Argentinien, dem Chaco Ostboliviens weiter nach Ost-Peru und unter Einbeziehung des oberen Amazonas-Becken in das Orinoko-Gebiet am Südrand der Andenkette von Venezuela. Diese Vorsenke ist erfüllt mit mächtigen Tertiär- und Quartär-Sedimenten als Schutt der aufsteigenden Anden. Die weit nach Westen ziehenden und abtauchenden Teile des südamerikanischen Gondwana Blockes ragen nur gelegentlich als Gebirgszüge aus dem Schutt auf. Südamerika ist ein natürliches großes Labor, in dem sich über Milliarden-Jahre ablaufende Plattenverschiebungen erhalten haben und zu analysieren sind.

quader Heinz Veit
Quartäre Landschafts- und Klimageschichte Südamerikas
Die unterschiedlichen Landschaften, Klima- und Vegetationszonen Südamerikas sind keine statischen Gebilde. Sie unterliegen, wie praktisch alle Landschaften auf der Erde, lang- und kurzfristigen klimatischen Schwankungen und Umweltveränderungen. Der Beitrag konzentriert sich auf großräumige Ökosysteme unterschiedlicher Klimazonen, deren Entwicklung beispielhaft diskutiert wird. Dafür wurden das tropische Amazonas-Tiefland, die subtropisch-gemäßigte südbrasilianische Araukarien-Campus-Region und die subtropisch-randtropischen Anden ausgewählt. Zeitlich liegt der Fokus auf der Entwicklung seit der letzten Kaltzeit (seit ca. 30.000 Jahren). In dieser Periode sind die Umweltveränderungen gravierend. Sie sind neben Temperaturschwankungen vor allem durch massive Niederschlagsänderungen gekennzeichnet. Ein weiter zurückreichender Überblick über die letzten 1,3 Mio. Jahre Klimageschichte wird anhand der für Südamerika einmaligen Sequenz aus dem Valle de Tafí in den argentinischen Anden gegeben.

quader Wilfried Endlicher
Grundzüge von Klima und Böden Südamerikas
Grundsätzlich können das Tageszeitenklima der Tropen und das Jahreszeitenklima der Außertropen, also der Subtropen und Höheren Mittelbreiten, unterschieden werden. In den Tropen trennt die Andenkordillere das schwül-heiße Klima der amazonischen Tief- und Bergländer vom Trockenklima der peruanisch-nordchilenischen Küstenwüste. Das Hochgebirge selbst ist durch thermische Höhenstufen gegliedert, welche die Natur- und Lebensräume nachhaltig prägen. Im Cono Sur des Kontinents bildet der Luv-Lee-Effekt der Kordillere eine der schärfsten Klimascheiden der Welt und trennt das hyperfeuchte Klima von Westpatagonien vom windreichen Halbwüstenklima Ostpatagoniens. Pedologisch zeichnen sich die andinen Vulkanböden durch eine hohe Fruchtbarkeit aus und ermöglichen eine große Tragfähigkeit bzw. eine dichte Agrarbevölkerung; im Gegensatz dazu stellen die amazonischen Tieflandsböden ein "ökologisches Handicap" bei einer agrarischen Inwertsetzung dar. Die Böden der argentinisch-uruguayischen Feuchtpampa zählen zu den besten des Kontinents. Vielerorts gefährden allerdings Prozesse der Wind- und Wassererosion eine nachhaltige Landnutzung.

quader Georg Kaser, Christian Georges, Irmgard Juen und Thomas Mölg
Gletscher in den Hochgebirgen der niederen Breiten
In einigen Hochgebirgen der niederen Breiten haben Gletscher für die Wasserversorgung eine größere Bedeutung, als dies bei uns der Fall ist. Als Klimazeugen erfordern und ermöglichen sie eine Sichtweise, die über einfache Beziehungen zwischen Gletscherverhalten und Lufttemperatur hinausgeht. Generell folgen die Gletscher in den niederen Breiten denselben physikalischen Gesetzen wie die Gebirgsgletscher der mittleren und hohen Breiten. Schnee sammelt sich an und verdichtet sich zu Firn und Eis. Der Schwerkraft folgend fließen die Gletscher talwärts, bis sie Höhen erreichen, in denen die angesammelte Masse durch Schmelze und Sublimation abgetragen wird. Da das Klima in den niederen Breiten spezielle Ausprägungen zeigt, ist es dennoch notwendig, einiges von dem, was wir aus unseren Breiten über Gletscher wissen, neu zu überdenken, um das Verhalten der Gletscher in den Hochgebirgen der niederen Breiten interpretieren zu können.

quader Anton Weissenhofer und Werner Huber
Die Vegetation der Neotropen am Beispiel Venezuelas
Venezuela eignet sich ideal zur Darstellung der Landschaften und Vegetationstypen Lateinamerikas, da das Land einen Großteil der auf dem südamerikanischen Kontinent vorhandenen Ökosysteme abdeckt. Aus der Kombination verschiedener ökologischer Parameter wie Temperatur, Niederschlagsmenge, Niederschlagsverteilung, Höhenlage, Bodenverhältnisse und geologische Geschichte ergibt sich eine enorme Vielfalt an Landschafts- und Vegetationstypen. Das Spektrum reicht von tropischen Tieflandregenwäldern über teilimmergrüne Regenwälder, Trockenwälder, Dornwälder, Sukkulentenwälder, Überschwemmungswälder, Galeriewälder, Savannen, Mangroven, Bergwälder, Nebelwälder, bis hin zu extremer Hochgebirgsvegetation (Páramo, Chirivital). Alle diese Vegetationsformationen sind durch hochinteressante Lebens- und Anpassungsformen gekennzeichnet. Wie überall in den Tropen, sind die Natur- (und Kultur-) schätze Venezuelas von der Zerstörung durch den Menschen bedroht. Maßnahmen zur Erhaltung der Bio- und Ethnodiversität sind dringend notwendig.

quader Werner Huber und Anton Weissenhofer
Bekannte und wenig bekannte Nutzpflanzen Lateinamerikas
Lateinamerika ist das Ursprungsgebiet zahlreicher Pflanzen, deren Früchte oder andere Pflanzenteile als Obst, Gemüse, Gewürz, Arzneimittel, Faser- und Farbstofflieferanten oder anderweitig genutzt werden. Viele von ihnen wurden schon von den spanischen Eroberern im 16. Jahrhundert nach Europa gebracht, avancierten z.T. zu eminent wichtigen Pflanzen der Welternährung (z.B. Kartoffel, Tomate) und werden heute in unzähligen Kulturformen gezogen. Erstaunlich ist die Vielfalt von Pflanzenarten und Kulturformen, welche die Indigenen kennen und nutzen. Einige der wichtigsten neotropischen Nutzpflanzen werden hier näher beschrieben, wovon einige bei uns kaum bekannt sind, sich aber in Lateinamerika großer Beliebtheit erfreuen (z.B. Große Sapote, Amerikanischer Mammeiapfel, Affenschwanz-Inga, Pfirsichpalme, Fensterblatt, Guraná u.a.). In einer abschließenden Liste werden etwa 110 neotropische Pflanzenarten aufgeführt, die weltweit oder lokal Verwendung finden. Fast die Hälfte davon liefert köstliches tropisches Obst, einen weiteren großen Anteil machen Gemüse- und Stärkepflanzen aus.

quader Ulrich Saint-Paul und Christiane Schnack
Schutz und Nutzung der Mangrove
Die drastische Bevölkerungszunahme – insbesondere in den tropischen Küstenbereichen – hat in den letzten Jahrzehnten zu einer immer massiver werdenden Zerstörung von Mangroven geführt. In Südamerika werden Mangroven hauptsächlich dem Ausbau touristischer Anlagen und der extensiven Aquakultur geopfert. Der Beitrag beschreibt die ökologische Bedeutung von Mangroven, ihre fischwirtschaftliche Nutzung und welche Auswirkungen die Zerstörung von Mangroven auf das Ökosystem selbst und die von dem System lebenden Bevölkerungsgruppen hat. Am Beispiel eines am Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen durchgeführten Forschungsprojektes im Nordosten Brasiliens wird dargestellt, wie mit Hilfe des Integrierten Küstenzonenmanagements ein Mangrovengebiet unter Einbindung der lokalen Bevölkerung nachhaltig bewirtschaftet werden kann.

quader Walter Hödl
Die Tierwelt Amazoniens
Die Unüberschaubarkeit des Lebensraumes sowie die Individuenarmut und die versteckten Lebensweisen eines Großteils der amazonischen Tierarten vermitteln zunächst einen enttäuschenden Eindruck: Mit Ausnahme von Ameisen und Termiten nimmt der flüchtige Regenwaldbesucher nur wenig von der Tierwelt wahr. Erst dem geduldigen Beobachter und „Waldläufer“ erschließt sich die faszinierende Vielfalt der Fauna des größten geschlossenen Regenwaldgebiets der Erde. Die Biomasse der Tiere macht weniger als ein Tausendstel der Pflanzenbiomasse aus, obwohl die Artenzahl der in Amazonien beheimateten Tiere 100-fach höher eingeschätzt wird als jene der Pflanzen. Beutel- und Nagetiere haben den größten Anteil an der Biomasse der Säugetiere; Fledermäuse hingegen sind die weitaus artenreichste Säugergruppe. Die hohe Biodiversität innerhalb einer Organismengruppe wird durch die gegenüber den gemäßigten Breiten erhöhte Anzahl von Verhaltens- und Nahrungsgilden und/oder eine hohe reproduktive Vielfalt ermöglicht. Im Gegensatz zur produktiven, an Tieren reichen Überschwemmungslandschaft der andinen Weißwasserflüsse sind die in Amazonien und dem Guayana- sowie Brasilianischen Schild entspringenden Flüsse ebenso wie die Böden der von Hochwässern unerreichbaren "Terra firme"-Wälder sehr nährstoffarm.

quader Harald Krenn
Biodiversität neotropischer Tagfalter und die Vielfalt ihrer Nahrung
Die Zahl der südamerikanischen Schmetterlinge ist bemerkenswert hoch und übersteigt auch die Artenzahlen anderer tropischer Regionen erheblich. Die hohe Biodiversität dieser Insekten spiegelt sich auch in ihren vielfältigen und für uns ungewöhnlichen Nahrungsansprüchen wider. Neben Blütennektar sind viele Tagfalter auf mineralstoffreiche Flüssigkeiten angewiesen und können oft bei der Aufnahme von Schweiß, Urin und schlammigem Wasser beobachtet werden. Darüber hinaus gibt es Nahrungsspezialisten, die zusätzlich Pollen- oder Blattextrakte als Nahrung nutzen oder die ausschließlich gärende Frucht- und Baumsäfte trinken und von Kot und Aas Flüssigkeiten aufsaugen.

quader Franz Andrae
Naturwald versus Plantagenwald in Lateinamerika
Lateinamerika verfügt noch über bedeutende natürliche Waldreserven, mit einem Holzaufkommen, das vor allem innerhalb des Kontinentes selbst verbraucht wird; diese Wälder werden aber kaum nachhaltig bewirtschaftet. Beachtlich dagegen sind die Bemühungen und Erfolge auf dem Sektor der forstlichen Plantagenwirtschaft: Sie gewinnen zunehmend an Bedeutung für die Übernahme der Funktion der Holzproduktion und nationalen Versorgung. Gleichzeitig besteht aber die Tendenz, die überwirtschaftliche Waldfunktion durch naturnahe Waldgesellschaften erbringen zu lassen. Auf Grund der besitzstrukturellen Gegebenheiten sind dadurch – beispielsweise in Brasilien – unzählige bäuerliche Betriebe betroffen, denen so eine mögliche Produktionsalternative vorenthalten bleibt. Von flächenmäßig eher noch geringer Bedeutung sind Ansätze gemischter land- und forstwirtschaftlicher Nutzung.

quader Walter Hödl
Biodiversität und Biodiversitätskrise
Der Reichtum des Lebens auf genetischer, organismischer und ökosystemarer Ebene wird unter dem biopolitisch bedeutsamen Terminus „Biodiversität“ zusammengefasst. Obwohl der biologische Artbegriff ein theoretisches Konzept darstellt, ist die Art für die Beschreibung der Vielfalt von Lebewesen die am häufigsten verwendete Einheit. Naturkundliche Museen führen das weltweite Arteninventar und machen auf die „Biodiversitätskrise“, den anhaltenden, durch menschliche Aktivitäten verursachten Artenschwund aufmerksam. Die Frage nach der Anzahl der auf der Erde lebenden Arten ist das zentrale Thema der Biodiversitätsforschung. Aufgrund des unterschiedlichen Kenntnisstandes über die einzelnen Tiergruppen und Weltregionen ist der Weltartenbestand nur schwer abschätzbar. Schätzungen schwanken zwischen 5 und 30 (bis 100?) Millionen zur Zeit existierender Arten. Artbildung und Artensterben sind Ausdruck der natürlichen Dynamik alles Lebendigen. Der aktuelle Artenschwund bei Wirbeltieren, insbesondere Amphibien, stimmt jedoch bedenklich. Aufgrund menschlicher Aktivitäten könnte sich allein in den nächsten 50 Jahren der Weltartenbestand auf 75 % des Ist-Zustandes reduzieren. Ein Rückgang, der insbesondere in seinem raschen Verlauf durchaus den katastrophalsten Arteneinbußen in der erdgeschichtlichen Vergangenheit ebenbürtig wäre.

quader Adolfo Amézquita
Biodiversität in Kolumbien: Ein Forschungsprogramm, bei dem Forschungsobjekt und Forschungssubjekt gefährdet sind
Die Erhaltung und Bewahrung tropischer Landschaften, die die weltweit größte Biodiversität aufweisen, stellt eines der Paradigmen aktueller biologischer Forschung dar. Es wird angenommen, dass die Hauptprobleme dabei die Rodungen für landwirtschaftliche Nutzung, die ungeregelte Ausbeutung natürlicher Ressourcen und die Kontaminierung der Umwelt sind. In diesem Aufsatz wird analysiert, wie der Drogenhandel und die Aktivitäten illegaler bewaffneter Gruppen in Kolumbien als neue Ursachen des Biodiversitätsverlustes hinzugekommen sind. Die Biodiversität in Kolumbien erklärt sich durch ökologische Prozesse kombiniert mit der Brückenfunktion zwischen Süd- und Zentralamerika sowie der Gebirgsbildung der Anden. Der Verlust des natürlichen Lebensraums wird beschleunigt durch die Ausbreitung illegalen Anbaus in Naturschutz- und weit abgelegenen Gebieten. Die Ausräucherung von illegalen Kulturen steht im Zentrum der eher politisch als wissenschaftlich geführten Debatte um die Folgen dieses Prozesses auf die Ökosysteme und die menschlichen Gemeinschaften, die mit ihnen verbunden sind. Die durch die Aktivitäten illegaler Gruppen verursachte Unsicherheit hat einen negativen Einfluss auf die Forschung im Interesse des Schutzes der Biodiversität. Es wird angenommen, dass die akademische Zusammenarbeit und eine Berücksichtigung der Auswirkungen des Drogenhandels dazu beitragen werden, dass die Biologie ihren Beitrag zur Lösung der Umweltproblematik leisten kann.

quader Werner Huber, Anton Weissenhofer und Anton Weber
Der "Regenwald der Österreicher" in Costa Rica – Forschung und Naturtourismus
"Regenwald der Österreicher" ist ein von der costarikanischen Regierung verliehener symbolischer Name für Waldanteile des "Piedras Blancas Nationalparks" (Costa Rica, Prov. Puntarenas, NW von Golfito, Gemeinde La Gamba), die mit Hilfe von österreichischen Spendengeldern freigekauft wurden (bisher ca. 1,5 Mio. Euro bzw. > 3000 ha Regenwaldfläche). Die Initiative zum Freikauf geht auf den Wiener Musiker Michael Schnitzler zurück, der in La Gamba auch eine Herberge für Ökotouristen ("Esquinas Rainforest Lodge") initiiert hat. Mit der Gründung und dem sukzessiven Ausbau einer Forschungsstation am Rande von La Gamba ("Tropenstation La Gamba") wird die Durchführung von bi- und multilateralen Forschungsprojekten ermöglicht. Diese beschränken sich keineswegs auf die biologische Erforschung des Regenwaldes, sondern schließen auch soziokulturelle Projekte in der Region mit ein. Der Wald selbst gehört auf Grund der geographischen, klimatischen und biologischen Gegebenheiten zu den artenreichsten und interessantesten Regenwäldern der Erde. Auf der Grundlage der Lodge und der Forschungsstation ergeben sich hervorragende Möglichkeiten für Naturtourismus und Forschung, wovon auch die Bewohner La Gambas profitieren.

quader Cesar Caviedes
Auswirkungen des El-Niño-Phänomens auf Natursysteme und Menschen
Die Auswirkungen des El Niño auf Natursysteme und Menschen werden mittels eines systemanalytischen Ansatzes untersucht. Dieser erlaubt es, Kausalzusammenhänge zwischen Schwankungen der Fischdichte im Pazifik und der atmosphärischen Zirkulation herzustellen. Im Meer sind Rückgänge von typischen Fischpopulationen in den kalten Gewässern des Humboldtstroms zu beobachten, ebenso wie temporäre Invasionen von Fischen in den warmen Gewässern des Äquators. Die küstennahe Fauna, Vögel und Säugetiere, geht in El-Niño-Jahren spürbar zurück. Im Küstenstreifen verursachen sintflutartige Regenfälle Überschwemmungen, den Verlust von kultivierbarem Land und eine ungewöhnliche Explosion der Vegetation, die wiederum eine explosionsartige Vermehrung von schädlichen Insekten und das Auftauchen von Epidemien zur Folge hat. In anderen Regionen des Kontinents treten entgegengesetzte Phänomene auf: Trockenheit, Ernteausfälle und Waldbrände. Eine weitere interessante Folge des El-Niño-Phänomens hat mit den Schwankungen bei den natürlichen Reserven von Kohlendioxid zu tun, einer der Ursachen für die globale Erwärmung. Diese ist auch eine direkte Folge der Regenwaldzerstörung durch Brandrodung, wenn auch einige Wissenschaftler meinen, dass in Perioden großer Vegetationsexplosionen (feuchte Perioden) die Kohlendioxidemission in die Atmosphäre größer ist.

quader Luis Vildozo und Christian Vogl
Die biologisch-organische Landwirtschaft in Lateinamerika
Die biologisch-organische Landwirtschaft in Lateinamerika hat spezifische Charakteristiken, einerseits aufgrund der historischen Entwicklungen in der Region, andererseits aufgrund sozioökonomischer und geographischer Aspekte. Um diese Entwicklung zu erklären, werden zunächst die Folgen der so genannten „Grünen Revolution“ für die Bevölkerung und die Umwelt beschrieben sowie die Entwicklung der ländlichen Gesellschaft in Lateinamerika und die Auswirkungen der makroökonomischen Politik der vergangenen Jahrzehnte für den landwirtschaftlichen Sektor und die Ernährungssicherung der Bevölkerung. Anschließend werden die Rolle der agroökologischen Bewegung, die neuen landwirtschaftlichen Konzepte wie Nachhaltigkeit und Verantwortung gegenüber kommenden Generationen sowie deren Beziehung zur biologisch-organischen Landwirtschaft erläutert. Die Beschreibung der Prinzipien und der Geschichte der biologisch-organischen Landwirtschaft, einschließlich ihrer Akteure und der Prozesse der Institutionalisierung dieses Sektors sind weitere Objekte dieser Abhandlung. Außerdem wird der positive Einfluss der traditionellen und der biologisch-organischen Landwirtschaft auf die Lebensqualität der Bauern und einen Teil der städtischen Bevölkerung in der Region betont.

quader Helmut Eger, Christina Bohn und Katrin Marggraff
Herausforderung und Entwicklungsansätze für die ländliche Regionalentwicklung in Peru
Die ländlichen Räume in Lateinamerika sind in der Regel durch überproportional hohe Armut gekennzeichnet. Die Landflucht im ländlichen Raum hält unvermindert an, die Bedeutung der Landwirtschaft als Einkommensquelle nimmt in ähnlichem Umfang ab. Ackerbau und Viehzucht, oft auf Subsistenzniveau, stellen die wichtigste Lebensgrundlage der ländlichen Familien dar. Der begrenzte Zugang zu landwirtschaftlich nutzbaren Ressourcen, hauptsächlich Wasser und Boden, schafft eine prekäre wirtschaftliche Ausgangssituation. Diese limitierenden Faktoren für eine nachhaltige Nutzung der ländlichen Räume führen zu hohen sozialpolitischen und volkswirtschaftlichen Kosten sowie fortschreitender Zerstörung der natürlichen Ressourcen und intakter Naturräume. Für die Entwicklung des ländlichen Raumes ist es notwendig, den Schutz natürlicher Reichtümer und Umweltleistungen einerseits und ihre nachhaltige Nutzung andererseits in einem konzeptionellen Zusammenhang zu fördern. An Beispielen aus den Aktionsfeldern Katastrophenrisiko- und Ressourcenmanagement werden die Herausforderungen an eine ausgewogene ländliche Regionalentwicklung verdeutlicht.

quader Axel Borsdorf
Espresso und Kokain. Globaler Markt und Konsumentenverhalten als Einflussfaktoren auf lateinamerikanische Ökosysteme und Kulturlandschaften
Seit Ende des Zweiten Weltkriegs hat sich der Kaffeepreis in absoluten Währungswerten kaum verändert, während die meisten anderen Konsumgüter um mehr als das Zehnfache teurer geworden sind. Dies ist aber nicht nur, wie bei vielen Rohstoffen, die Folge ungleicher Handelsbeziehungen, sondern in den letzten Jahrzehnten auch eines globalen Überangebotes, das mit neuen Sorten und Anbauflächen in Staaten erzeugt wird, die zuvor nicht als „Kaffeeländer“ bekannt waren. In den Konsumländern ist ein dramatischer Qualitätsverfall festzustellen, der über neue Brühverfahren und eine raffinierte „Lifestyle“-Reklame kaschiert wird. In den traditionellen Kaffeeländern Lateinamerikas aber führte der Preisdruck dazu, dass die kleinen Produzenten und Landwirte andere Anbauprodukte suchen, die ihnen das wirtschaftliche Überleben sichern. Dies ist vor allem Koka. Inzwischen gibt es global auch ein Überangebot an Kokain. Früher eine Droge der Wohlhabenden, ist Kokain daher nun zur Billigdroge geworden, die die europäischen Märkte überschwemmt. Der Beitrag zeigt die Zusammenhänge von naturräumlichen Gegebenheiten, Drogenkonsum, Marktstrategien der Kaffeekonzerne und Konsumentenverhalten auf.

quader Barbara Zimmerman
Die Rolle der Indigenen bei der Bewahrung der natürlichen Umwelt im Amazonasgebiet: der Fall der Kayapó
Allianzen zwischen indigenen Völkern und Naturschutzorganisationen im brasilianischen Amazonasgebiet haben dabei geholfen, rechtliche Anerkennung für ca. eine Million Quadratkilometer indigenen Landbesitzes zu sichern. Die zukünftigen indigenen Schutzgebiete in Amazonien sind von strategischer Bedeutung für das Schicksal der Biodiversität in der Region. Wie viele indigene Völker im Amazonasgebiet haben die Kayapó der Expansion landwirtschaftlicher Aktivitäten auf ihrem Gebiet Einhalt geboten, jedoch in der Vergangenheit selektiv Holzfällarbeiten und Goldabbau erlaubt. Die Aussichten für die langfristige Bewahrung und Erhaltung dieser Gebiete ist von dem Verständnis der indigenen Völker für ihre natürlichen Ressourcen abhängig sowie von den verfügbaren ökonomischen Alternativen. Obwohl die Erhaltung der Wälder weder durch Besitzsicherung noch durch indigenes Wissen garantiert werden kann, kann die relativ egalitäre, auf Gemeinschaftsbesitz und gemeinsame Bewirtschaftung basierende indigene Gesellschaftsordnung – zusammen mit adäquaten wirtschaftlichen Anreizen und langfristigen Partnerschaften mit Naturschutzorganisationen – dieses Ergebnis erzielen. Ein Beispiel für eine solche erfolgreiche Initiative ist das Langzeitprojekt von Conservation International mit dem Kayapó-Dorf A’ukre und das soeben begonnene großflächige Monitoring-Projekt im Kayapó-Gebiet.

quader Tomme Rosanne Young
Der Besitz genetischer Ressourcen: Rechtliche Situation, Patentrechte und die Schaffung eines internationalen Systems
Dieser Beitrag liefert einen kurzen Überblick über einen aktuellen kontroversiellen und komplexen Sachverhalt der modernen Gesetzgebung zum Erhalt natürlicher Ressourcen – die Entwicklung einer neuen Gesetzessammlung über genetische Ressourcen. Die Autorin konzentriert sich auf die Eigentumsfrage dieser Ressourcen – ein Bereich der in keinem Gesetz und keiner Richtlinie behandelt oder entschieden wird, der aber letztendlich über den Erfolg dieses neuen Rechts entscheiden wird. Sie behandelt weiters die Grundelemente eines solchen neuen Systems und versucht, (i) die Natur genetischer Ressourcen klar zu definieren und zu erkennen, (ii) die Gründe zu erklären, warum solch eine Definition von essentieller Bedeutung für das Funktionieren des im Entstehen befindlichen Rechtssystems ist; und (iii) die Diskussion zu umreißen, die sich um kommerzielle Fragen und die tatsächlichen Gegebenheiten unantastbaren Eigentums dreht, wobei vor allem die Stärken und Schwächen der Prinzipien eines intellektuellen Eigentumsrechts innerhalb des sich entwickelnden Systems für genetische Ressourcen berücksichtigt werden.


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