| Icon | Nummer | Titel |
|---|---|---|
| 4 | Institutionalismus / Substantivismus | |
| 4.2 | Frühe VertreterInnen | |
| 4.2.2 | Tausch und Gabe: Frühe Beiträge zur ökonomischen Anthropologie | |
| 4.2.2.1 | Bronislaw Malinowski | |
| 4.2.2.1.2 | Kula |
4.2.2.1.2.5 Ökonomie, Gesellschaft, Symbol
Bronislaw Malinowski bezeichnet ökonomische Aktivitäten explizit als soziales Phänomen; er schließt hiermit an Èmile Durkheim an und wird in vieler Hinsicht als Wegbereiter der Substantivisten bewertet. Mit seiner Studie trägt Malinowksi auch wesentlich zu späteren Debatten um das Verhältnis von Ökonomie und Gesellschaft bei:
- Grundsätzlich geht er von der Annahme aus, dass alle Menschen auf rationale Weise ihre Bedürfnisse befriedigen wollen, dazu benutzen sie unterschiedliche Modelle und Lösungen, deren "Rationalität" nur im Rahmen spezifischer kultureller Parameter zu verstehen ist. Konkret wandte sich Malinowski mit diesem Ansatz gegen eine Reihe von Kolonialbeamten und Missionare, welche den Kula und andere Aspekte der Kultur der Trobriander als "verrückte und sinnlose Bräuche" abwerteten.
- Malinowski stellt die universelle Gültigkeit der Prinzipien neoklassischer Ökonomie in Frage oder lehnt sie generell ab. Das Prinzip des Eigeninteresses im ökonomischen System der Trobriander erachtet er als irrelevant, den Begriff eines universellen homo economicus ("Primitive Economic Man") hält er für unbrauchbar, um das ökonomische Handeln in verschiedenen Gesellschaften zu erklären. Eine Dominanz des utilitaristischen Handelns ist laut Malinowski weder für die Trobriander noch für den westlichen Kapitalismus zutreffend: Beide Systeme sind "voll von Magie und Symbolismus" (Malinowksi 1931: 636), handlungsleitend für ökonomische Aktivitäten sind generell Fragen von Prestige und Macht, von Glauben und Magie. In diesem Sinne - sowie in Hinblick auf das Konzept von Kultur - steht Malinowski auch in der Tradition von Max Weber (vgl. Rössler 1999:77, Wilk 1996:113-114).

Frauen tragen Kula-Halsketten, Foto: Bronislaw Malinowski.
Quelle: Young 1997, Abb. 6.
| Icon | number | title |
|---|
