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| 5 | Neomarxismus | |
| 5.2 | Französische VertreterInnen | |
| 5.2.1 | Claude Meillassoux |
5.2.1.1 Verwandtschaft als Teil der Produktionsverhältnisse
Auf Basis seiner Feldforschung bei den Gouro an der Elfenbeinküste (Cote d’Ivoire) stellt Meillassoux fest, dass Verwandtschaft eng mit den Produktions- und Distributionsverhältnissen verknüpft ist. Jagd, Viehzucht, Ackerbau für den eigenen Verbrauch, aber auch der Anbau von Cash-Crops sind entlang der Verwandtschaft organisiert.
Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Lineage entscheidet über den Zugang zum wichtigsten Produktionsmittel Land. Ähnlich ist es im Bereich der Zirkulation der wesentlichen Güter, wie sie z.B. über den Brautpreis erfolgen. Meillassoux schließt daraus, dass Verwandtschaft keineswegs Teil des "Überbaus" ist, sondern das wesentliche Produktionsverhältnis in der klassenlosen Gesellschaft der Gouro.
Meillassoux definiert eine häusliche Produktionsweise (domestic mode of production), in der die älteren Männer die jüngeren Männer und die Frauen ausbeuten, in dem sie die Kontrolle über deren Arbeitskraft ausüben. Ältere Männer steuern über das Verwandtschaftssystem die Heiraten der Töchter und Söhne, deren Brautpreis oder Mitgift.
Während in der kapitalistischen Produktionsweise die Abschöpfung von Mehrwert über das Eigentum an Produktionsmittel erfolgt, sind in der häuslichen Produktionsweise die Abschöpfung von Mehrarbeit und Mehrprodukt in der Kontrolle von Menschen begründet. Die Ältesten entscheiden, wer wen heiratet, zu welcher Lineage die Kinder gehören und wer ein Stück Land zur Bearbeitung erhält. Der ökonomische Surplus wird über Gebräuche und Familienverbindungen gesteuert und nicht über Löhne oder Tribute.
Für Meillassoux und Godelier ist Verwandtschaft jedenfalls ein Machtsystem, über das Arbeit organisiert und die Produkte von Arbeit gesteuert werden.


Auf einer Hochzeit in Ghana. Fotos: Ulrike Davis-Sulikowski
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