| Icon | Nummer | Titel |
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| 5 | Neomarxismus | |
| 5.3 | VertreterInnen in den USA | |
| 5.3.2 | Sidney Mintz | |
| 5.3.2.1 | Süße Macht: Sidney Mintz und die Geschichte des Zuckers |
5.3.2.1.3 Zucker und Sklaverei
Zuckerrohr wurde erstmals (ca. 8000 v. Chr.) in Neuguinea als Kulturpflanze angebaut und verbreitete sich von dort in mehreren Wellen durch Asien, nach Europa und schließlich nach Amerika. Die frühesten schriftlichen Beweise für die Herstellung von Zucker stammen aus Indien (500 n. Chr.), wo er wahrscheinlich schon lange existierte. Byzantinische Quellen verweisen auf die Verwendung von Zucker in Persien, die arabische Expansion nach Westen im 8. Jahrhundert bringt schließlich den Zucker nach Europa (Spanien). Bald darauf handeln bereits die Venezianer mit Zucker, um 1000 n. Chr. ist Zucker in großen Teilen Europas bekannt. Im 12. Jahrhundert kontrollieren die Kreuzfahrer einen Teil der - von den Sarazenen aufgebauten - Zuckerproduktion im Königreich Jerusalem und intensivieren den Handel mit Europa (Mintz 1987: 47-53).

In seiner langen Geschichte war Zucker nie ein Grundnahrungsmittel gewesen, in Europa stellte er bis ins 18.Jahrhundert einen Luxusartikel dar, nach dem jedoch zunehmende Nachfrage bestand. Die drastischen Veränderungen in Hinblick auf die Bedeutung und den Konsum von Zucker in Europa vom 17. zum 19. Jahrhundert stehen in direktem Zusammenhang mit einer bestimmten Produktionsweise des Zuckers, nämlich mit Plantagenwirtschaft und Sklaverei. Es bildeten sich Handelsdreiecke heraus, die im 17. Jahrhundert entstanden und im 18. Jahrhundert zur Blüte gelangten:
"Das erste und berühmtere Dreieck verband Britannien mit Afrika und der Neuen Welt: Fertigwaren wurden an Afrika verkauft, afrikanische Sklaven an beide Amerikas und amerikanische tropische Produkte (insbesondere Zucker) an das englische Mutterland und seine auf Importe angewiesenen Nachbarn." (Mintz 1987: 71)
"Eine wichtige Besonderheit dieser beiden Dreiecke bestand darin, daß menschliches Frachtgut in ihrem Funktionszusammenhang eine entscheidend wichtige Rolle spielte. Es war nicht nur so, daß Zucker, Rum und Melasse nicht direkt gegen europäische Fertigwaren ausgetauscht wurden; in beiden transatlantischen Dreiecken gab es eine »falsche Ware« - die aber für das System absolut unentbehrlich war - sie bestand in menschlichen Wesen, in Menschen. Sklaven waren deshalb eine »falsche Ware«, weil der Mensch kein Gegenstand ist, selbst wenn er als solcher behandelt wird." (Mintz 1987: 72)
Die Geschichte der Produktion von Zucker in der Neuzeit ist also aufs Engste mit dem Kolonialismus und insbesondere mit dem transatlantischen Sklavenhandel verflochten. Die Steigerung des Absatzes bzw. des Konsums von Zucker steht wiederum in Zusammenhang mit den Transformationen der Ökonomie und der Arbeitswelt in Europa.
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