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| 4 | Institutionalismus / Substantivismus | |
| 4.3 | Substantivisten | |
| 4.3.1 | Karl Polanyi | |
| 4.3.1.2 | Wirtschaftstypen nach Polanyi |
4.3.1.2.1 Prinzip der Reziprozität
Darunter versteht Polanyi alle Formen von Austausch, die auf der sozialen Ebene in einer symmetrischen, äquivalenten Beziehung ablaufen, wie Gabe und Gegengabe.
Dabei herrscht kein Gewinnstreben, kein Prinzip der Arbeit gegen Entlohnung und kein Prinzip des geringsten Aufwands vor. In Gesellschaften, die auf Reziprozität beruhen, existieren vor allem keine Institutionen, die ausschließlich wirtschaftliche Ziele verfolgen. Reziprozität setzt Symmetrie voraus. Sie tritt vor allem in Gesellschaftssystemen auf, die auf Verwandtschaft beruhen und wirkt in erster Linie auf Familie und Verwandtschaft. Sie regelt in einem bestimmten Verwandtschaftssystem, wer für wen zu sorgen hat. Im matrilinearen Verwandtschaftssystem der Trobriander beispielsweise hat jeder Mann zu allererst für seine Schwester und deren Kinder zu sorgen.
Reziprozität bedeutet also nicht, dass die Verpflichtung zur Erwiderung der Gabe dieselbe Person trifft, die etwas erhalten hat. Es ist ein sehr viel abstrakteres Prinzip, das auf der Ebene der Gesamtgesellschaft wirkt und sich nicht auf die Interaktion zwischen zwei konkreten Personen beschränken lässt (vgl. Polanyi 1978: 77ff).

In Agrarritualen in den Anden wird ein reziprokes Verhältnis zwischen Menschen und Gottheiten angestrebt (Abb.: Alberdi 1992)
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