| Icon | Nummer | Titel |
|---|---|---|
| 3 | Neoklassik oder Rational Choice | |
| 3.1 | Raymond Firth |
3.1.1 Allgemeine Gesetzmäßigkeiten und spezifische ökonomische Systeme bei Firth

Formal propositions
"On the basic principles of choice in the use of resources and perceptions of relative worth in an exchange, there is a continuum of behaviour over the whole range of human economic systems." (Firth 1967a: 6)
Bei den formal propositions handelt es sich um generelle Gesetzmäßigkeiten, die uneingeschränkt weltweit gelten. Hierzu zählt nach Firth insbesondere das Motivationsprinzip jedes Individuums, in einer Entscheidungssituation mit mehreren Optionen seinen Nutzen zu maximieren.
Im Fall des Kula-Tauschrings versuchen z.B. die Beteiligten, Kula-Gegenstände so zu tauschen, dass sie einen möglichst großen Nutzen davon haben. Die Schönheit und Seltenheit des Armreifens oder der Halskette hebt das persönliche Ansehen. Durch einen günstigen Tausch lässt sich daher die soziale Beziehung zum Tauschpartner optimieren. Die aufwändigen Potlatch-Feste dienen der Maximierung von Status und Prestige: wer mehr verschenken kann als der Beschenkte zu erwidern imstande ist, steigt in der Hierarchie auf. Im Kapitalismus wird demgegenüber finanzieller Gewinn maximiert.
Substantial propositions
"To an anthropologist the recognition that any specific economic system has a corresponding set of moral values is taken for granted." (Firth 1967a: 5)
Die substantial propositions sind kulturspezifische institutionelle Gegebenheiten, die von Gesellschaft zu Gesellschaft variieren. Beispielsweise kauft in einem marktwirtschaftlichen System eine Person dort seine Schuhe, wo sie oder er sie am billigsten erhält, da sie/er zum Schuhgeschäft keine persönlichen Beziehungen hat. In vielen nicht-marktwirtschaftlichen Systemen berücksichtigen KäuferInnen auch die sozialen Beziehungen zum Verkäufer. Sie kaufen ihre Schuhe vielleicht sogar wissentlich teurer, aber maximieren dennoch ihren Nutzen durch die Berücksichtigung der sozialen Komponente, indem sie beispielsweise dadurch die Verbindung zu einem wichtigen Verwandten oder Bündnispartner bestätigen. Das heißt, die institutionellen Gegebenheiten, das, was eine Gesellschaft für das Wertvollste oder Nützlichste hält, sind variabel, das Prinzip der Nutzenmaximierung ist hingegen eine universelle Gesetzmäßigkeit. Firth fasst die Unterschiede zwischen den wirtschaftlichen Systemen nur als solche des Grades – wie alle Formalisten – ("große und kleine Äpfel") und nicht als solche der Art ("Äpfel und Birnen") auf.
| Icon | number | title |
|---|
