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| 3 | Neoklassik oder Rational Choice |
3.3 Späte 1950er bis frühe 1970er Jahre: Der große Streit
Die ökonomische Anthropologie war etwa 15 Jahre lang durch eine heftige, emotional geführte Theoriedebatte gekennzeichnet. Es standen einander zwei – wie es schien unversöhnliche – Lager gegenüber, einerseits die
- Formalisten, und andererseits die
- Substantivisten oder Institutionalisten.
Bis in die 1950er Jahre wurde in der Ökonomischen Anthropologie fast ausschließlich deskriptiv gearbeitet. Es ging primär darum, wie verschiedene Kulturen ihren Lebensunterhalt gestalten. Die AnthropologInnen kritisierten dabei den Ethnozentrismus der ÖkonomInnen, wurden allerdings von diesen weitgehend ignoriert.
Wie viele andere ist Wilk (1996:4) der Ansicht, dass erst die theoretische Debatte zwischen Substantivismus und Formalismus die Subdisziplin der Ökonomischen Anthropologie konstituiert habe.
Die Bezeichnung der Kontrahenten als Formalisten und Substantivisten wurde von Karl Polanyi mit seiner Unterscheidung der zwei Bedeutungen von "economic" eingeführt.
Die substantivistische Bedeutung von "ökonomisch" bezieht sich auf die Abhängigkeit des Menschen von der Natur und seinen Mitmenschen, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten: "It refers to the interchange with his natural and social environment, insofar as this results in supplying him with the means of material want-satisfaction" (Polanyi 1968 / 1957: 139).
Die formale Bedeutung kommt aus dem logischen Charakter der Mittel- Zweckbeziehung, wie sie sich in der Begriffsbedeutung von "ökonomisch" ist gleich sparsam ausdrückt: "It refers to a definite situation of choice, namely, that between the different uses of means induced by an insufficiency of those means" (Polanyi 1968 / 1957: 140).
Mit der rational choice theory arbeitende AnthropologInnen haben den Begriff Formalisten in der Folge als Eigenbezeichnung für sich übernommen.
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| 3.3.1 | Der Angriff der Substantivisten | |
| 3.3.2 | Die Reaktion der Formalisten | |
| 3.3.3 | Kritik an den Formalisten |
