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| 3 | Neoklassik oder Rational Choice | |
| 3.3 | Späte 1950er bis frühe 1970er Jahre: Der große Streit | |
| 3.3.3 | Kritik an den Formalisten |
3.3.3.1 Kritik am homo oeconomicus aus nicht-formalistischer Perspektive
Bis heute ist der homo oeconomicus der Formalisten Gegenstand von Auseinandersetzungen (vgl. Ensminger 2002: XI). Bereits Raymond Firth hatte auf den augenfälligen Umstand, dass in vielen Gesellschaften keineswegs Reichtum oder Kapital akkumuliert würde, mit der Einführung der institutionellen Gegebenheiten reagiert. Es wird überall maximiert, aber eben nicht nur Geld, sondern Macht, Prestige, Lust, Gottgefälligkeit (bei Asketen zum Beispiel) und vieles andere mehr (besonders bei Burling 1962). Dazu meinte Maurice Godelier bereits 1965: "wenn so theoretisch jedes zweckbestimmte Handeln ökonomisch wird, ist faktisch keines mehr ökonomisch" (Godelier 1972: 292).
Die formale Theorie ist ein Komplex mathematischer Verfahrensweisen, der indifferent gegenüber dem Gegenstand ist, mit dem er umgeht, denn die Logik des Kalküls bleibt überall dieselbe (Godelier 1972: 294). Das heißt, sie kann gar nicht fassen, was nun ökonomisch oder politisch oder psychologisch ist, sie kann nur auf der Basis bereits vorher getätigter Annahmen rechnen: der Annahme v.a., dass immer und überall in einer Situation mit alternativen Entscheidungsmöglichkeiten versucht wird knappe Mittel den jeweiligen Zwecken zuzuordnen. Dieses Verfahren wird heute noch genau so kritisiert wie in den 1960er Jahren:
"If you are sufficiently determined, you can always identify something that people try to maximize. But if all maximizing models are really arguing is that ‘people will always seek to maximize something,’ then they obviously can’t predict anything, which means employing them can hardly be said to make anthropology more scientific. All they really add to analysis is a set of assumptions about human nature. The assumption, most of all, that no one ever does anything primarily out of concern for others; that whatever one does, one is only trying to get something out of it for oneself. In common English, there is a word for this attitude. It’s called ‘cynicism.’ Most of us try to avoid people who take it too much to heart. In economics, apparently, they call it ‘science’." (Graeber 2001: 8)
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