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| 3 | Neoklassik oder Rational Choice | |
| 3.3 | Späte 1950er bis frühe 1970er Jahre: Der große Streit | |
| 3.3.3 | Kritik an den Formalisten |
3.3.3.2 Revisionen der formalistischen Theorie: Ian Prattis und sein strategising man
Einen Versuch, diesem Dilemma zu entkommen und trotzdem im formallogischen System der Neoklassik zu verbleiben, hat z.B. Ian Prattis 1973 in einem einflussreichen Artikel unternommen. Seiner Ansicht nach ist maximising als einziges Ziel aller Handlungen tatsächlich unvollständig. Er plädiert daher für eine Sicht des strategising, worunter er versteht, dass dem handelndem Individuum in einer Entscheidungssituation mehrere Möglichkeiten offen stehen:
1. Maximising = Maximierung des Nutzens
2. Minimaxing = Minimierung der Wahrscheinlichkeit von maximalem Verlust
3. Satisfising = Ergreifen der ersten Alternative, die die Minimalanforderungen für die Bedürfnisbefriedigung erfüllt
Um aber auf diese Diversifizierung der Handlungsmotivationen wieder mathematische Prognosemodelle aufsetzen zu können, bedarf es nunmehr einer Spezifizierung der Umstände, die bei einem Individuum die Wahl einer bestimmten Strategie wahrscheinlich machen.
Prattis testet nun seine Strategiemuster anhand eines ethnographischen Beispiels (die Irregularitäten des Muschelgeldes auf Rossel-Island, Melanesien, über die sich schon manche den Kopf zerbrochen haben) und kommt zum Ergebnis, dass
maximising die bevorzugte Strategie der Häuptlinge ist,
minimaxing jene von Personen auf mittlerer Prestigeebene, und
satisfising wird von den jungen Männern am untersten Ende der Prestigehierarchie praktiziert.
Um zu dieser Zuordnung zu kommen, muss er allerdings den Weg der formalen Logik verlassen.
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